Meine ersten K8 Flüge

von Michael Wollmer

Rein technisch gesehen, waren meine ersten beiden K8 Flüge ein „downgrade“. Ich war in der sonderbaren Situation, bisher ASK 21 und LS4 (!) fliegen zu dürfen (aber das ist eine ganz andere Geschichte...), also Flugzeuge, die bessere Leistungen bringen. Ich bin (als erster im Verein) von der ASK 21 direkt auf die LS4 umgestiegen (warum, das ist die andere Geschichte) und mir war ein wenig mulmig zu Mute, wußte ich doch, das alle anderen sich die LS4 erst erfliegen mußten, über die K8 und die K6 endlich zur LS4. Ich ich durfte gleich. Das hat nichts mit meinen fliegerischen Talenten zu tun, die sind nicht so doll, aber ich komme klar und lerne (und solange Ralf noch mit mir rummeckert, bin ich auf dem richtigen Weg :-)). Und nun: die K8. Klaus sagt: Ein Luftballon mit Flügeln. Alle sagen: Mit der K8 lernt man das fliegen richtig - Wer die K8 nicht geflogen hat, dem ist etwas entgangen - Wer die K8 fliegen kann, kann alle fliegen usw.
Ich war schon ein wenig genervt, muß man ein Ford Modell T, oder einen Käfer, Baujahr 60 gefahren haben um Auto fahren richtig zu verstehen?
 
Nun also die K8. Einerseits freute ich mich drauf, andrerseits hatte ich Schiss. Bekomme ich das gebacken? So ein empfindliches Teil? Nach all den „High-end“ - Fliegern? Erstmal Sitzprobe. Und nichts passte. Ich saß in dem Ding, wie ein Affe auf dem Schleifstein und maulte rum. Stefan frotzelte ordentlich: Ich sei wohl doch der Luxustyp, etc... (hat mich schon gewurmt, in meinem Leben gabs nich viel Luxus, das erste luxuriöse, was ich mir leiste, ist das Segelfliegen). Klaus hat sich mein Gejammere wegen der Scheiss Sitzposition mit wenig Gnade angehört und mit den Augen gerollt. Ja, halten denn mich hier alle für ein Weichei und einen Luxustypen? In mir kam ein Jetz-erst-recht-Gefühl hoch: Ich will den Pappdrachen fliegen, soooo untalentiert bin ich nun auch nicht.
 
Der Brötchen-Schirm löste dann das Problem. Das Ding drückte meinen Lendenbereich nach vorn und ich saß vollkommen aufrecht (der Krankengymnast in mir bemerkte das mit Wohlwollen) und hatte Platz, plötzlich merkte ich: Ja, so könnte es gehen. Wir rollten das Teil an den Start. Stefan mußte mir noch helfen, den Brötchengurt umzulegen, peinlich, peinlich. Trotz allem, Stefan war cool und seine Hilfe war professionell und er strömte Zuversicht aus (Danke Stefan) und Klaus gab mir die letzten Tips und lächelte sein „Klaus-lächeln“, er weiß genau, was ich drauf habe und was nich und ich glaube, er hat nicht eine Sekunde gezweifelt, das ich klarkomme. Danke Klaus.
Haube zu, Hand an den Knüppel, Zeigefinger an den Pilz und ab dafür.... Holla, schneller als ich „Castrop-Rauxel“ sagen könnte, bin ich in der Luft, irgendetwas pfeift höllisch laut, ganz vorsichtig lasse ich den Knüppel in die Normalstellung und steige. Nich sehr hoch, etwas über 300 m. Der Schlepp von Bob war super, konsequent 90 km/h. Ich hab den Start ganz allein versemmelt. Ausklinken, nachklinken, Horizont einstellen. Hab den bekannten Horizont (ASK 21, LS4) gesucht und wurde tierisch langsam. Da stimmt doch was mit der Anzeige nicht... Egal, ich wurde langsam, also nachdrücken und Fahrtmesser beobachten, ich brauchte 80 km/h. Der Horizont wanderte auf der Haube nach oben, das richtige Horizontbild stellte sich für mich am Fadenende als Referenzpunkt ein. Unglaublich! Konnte das sein? In den beiden anderen Fliegen wäre ich jetzt im deutlichen Schnellflug! Querabflug, Gegenanflug und der Faden hängt (Scheisse). Seitenruder zur Korrektur und zack: er hängt auf der anderen Seite. Man, ist das Ding empfindlich! Zarte Korrekturen bringen den Faden endlich in die Mitte und nach 2 Wackelkreisen ist schon Positionszeit. Queranflug und Landekurve passt, aber Mist, ich bin viel zu hoch. Alle haben gesagt, die K8 gleitet nicht soooo gut wie die anderen beiden. Hab ich wohl im Hinterkopf gehabt. Egal: Klappen raus, Fahrt ist 80 km/h, die Landebahn lang genug und irgendwo hinter dem Halbreiter setzt sich der Pappdrachen und steht fast sofort. Jetzt ist Zeit zum atmen. Ich will unbedingt nochmal. Ich kann sehr zart sein...
 
Ich muß ständig grinsen. Die anderen grinsen mich an (bin ich angekommen?). Michel stellt mir das Vario richtig ein und witzelt rum (Danke Michel, das seltsam laute Pfeifen war weg).
 
Der zweite Start war etwas besser (wieder ein Top-Schlepp von Bob). 350 m. Horizontbild einstellen, trimmen, Querabflug und zack! ein 2 m Bart, das Vario knickert fröhlich, behutsam Ruderbewegungen und schon gehts aufwärts. Eine engere Kurve, dann reichen 30° und ich habe Vollkreis-steigen. Der Faden bleibt im wesentlichen in der Mitte, meine Füße und Hände wissen offenbar was zu tun ist und ich habe das erstemal das Gefühl, den Flieger zu kontrollieren und, das klingt jetzt seltsam, eine tiefe Freude steigt in mir auf : ich steige und kreise und habe eine Hammersicht und es macht einfach nur Spaß! Im nu bin ich auf 1000m und richte die Maschine auf und fliege im Geradeaus-Flug auf den Baggersee zu. Ich glaub, in diesem Moment hab ich mich in den Pappdrachen verliebt.
Ich fliege Kreiswechsel und mache Rollübungen um die Ruder noch besser koordinieren zu können und ja, man muß die Pedalen und den Knüppel mit viel Gefühl und gaanz saanft bewegen (Andreas hat mal gesagt: Sie dich vor, du denkst, du willst rum und schon biste rum). Er hat Recht. überhaupt: Ihr hattet alle Recht: K8 fliegen ist anders, besonders wenn man von der ASK 21 und der LS4 kommt. Man liegt nicht, man sitzt und es ist recht unbequem (meine Nierengegend, da wo das Brötchen drückt, schmerzt schon mal), der Flieger ist höllisch empfindlich und reagiert auf jede Luftbewegung, es zieht (ich brauch dringend ein Halstuch) aber: es macht Spaß! Richtig Spaß!!
Unter mir kreisen Vereinskameraden, über mir ziehen Wolken entlang und vor mir ein tolle Sicht. Ich umkreise den Platz und genieße das fliegen. Nach einer gefühlten Stunde (behauptet meine Nierengegend) suche ich mir ein Saufloch und steige ab (an der Position hätte ich fast gesagt: „Rad raus und verriegelt“), Einteilung stimmt, aber ich bin wieder zu hoch, Doppelmist, da werde ich mir wieder ein paar Bemerkungen einfangen. Lange Landung, bischen holprig, bin halt keine Landegott, aber das kommt noch.
Ich steig aus, mein Rücken schmerzt, ein paar rasche Dehnübungen und alles ist wieder gut. Ich bin so gut drauf wie schon lang nicht mehr. Ich liebe den Pappdrachen und freu mich jetzt schon auf das nächste mal. Ihr hattet alle Recht (mein erstes Auto war übrigens ein Käfer. Baujahr 60.)
 
Michael