Timos's erstes 500er

Am Morgen des 15. Juli wurde ich - wie eigentlich immer - von Ralle Paulsen, meinem Zimmermitschläfer, liebevoll mit einer rumsenden Tür, dem aufreißen der Gardienen und irgend einem hektikverbreitendem Spruch à la es ist gleich Briefing oder heute ist Hammerwetter, geweckt. Natürlich war noch längst kein Briefing, nichteinmal die Brötchen waren geholt, was allerdings stimmte war das vermeintliche Hammerwetter. Immerhin konnte man bereits kurz nach acht Uhr morgens schon erste Pseudokumulanten am Himmel sehen. Zum Briefing ergatterte ich mir dann den Vereinseigenen Janus CT und beschloss mit Michael Franke einen Überlandflug zu planen. Da die Thermik wie gesagt schon sehr früh einsetzte, schien es mir nicht vermessen Parchim - Helmstedt - Zurück in den Logger zu hacken. Ralf Bolte, der den Discus T zugesprochen bekam schloss sich der Meinung an und wir nahmen uns vor, die Strecke gemeinsam zu fliegen. Als Michel und ich uns den Janus an den Start schoben uns fertig machten und uns auf den Start vorbereiteten waren bereits zwei andere Überlandflieger (Peter Ryder, RD und Jörg Hafemann, 8T) in der Luft, daher war ein Obenbleiben doch recht sicher. Als wir uns an die Basis geschraubt hatten, immerhin beachtliche 700 m, zogen wir zur Kontrolle das Mofa und flogen schon einmal ab, in der Hoffnung, Bollo würde dann bald folgen. Unser Kurs für den ersten Schenkel waren ca. 80° gen Osten und etwa 180 km Distanz. Mit anfangs spartanischen Steigwerten um einen knappen Meter herum und der niedrigen Basis mussten wir uns erst einmal vorsichtig vorantasten. Vorteilhaft waren jedoch die geringen Wolkenabstände, so konnten wir recht genau Kurs fliegen. Und nach einer Kurzen Durststrecke, zwischen Zeven und Sittensen wurden die Steigwerte dann zunehmend besser und die Basis stieg langsam an.

Über Funk hörten wir von Jörg, der uns einige Kilometer voraus war und von Bollo, der fluchender Weise etwa 15-20 Kilometer hinter uns war. In Lüneburg waren die Wolken dann bereits auf knappe 1100 m angestiegen, wir entfernten uns allerdings immer weiter von diesen, weil die Steigwerte schlechter wurden. Und so mussten wir dann zwei, drei mal etwas schlechtere Bärte mitnehmen. Kurz vor der Elbe waren wir dann also wieder hoch genug und wagten den Sprung. Jenseits der Elbe ballerte die Thermik dann mit 2 m/s und bis knapp 1300 m und so flogen wir recht flott an Ludwigslust vorbei, über Neustadt-Glewe hinweg, wo die Luft kurzzeitig recht plastikhaltig wurde, nach Parchim. Zwischenzeitlich krächzte über Funk die niedergeschlagene Stimme des Ralf Bolte irgendwas von "Motor gezogen" und "Rückweg", was wir bedauerten und nicht so recht verstanden, denn uns ging es hervorragend. Jörg wendete so 10 km vor uns und wir zogen nach. Für den zweiten Schenkel diktierte Michel von hinten 210° und 140 km. Irgendwo hinter der Wende trafen wir dann - während ich mich gerade erleichterte - auf den (vermutlich) Osterholzer Duo Discus, dem ich dann später die pralle Tüte zum Fraß vor warf. Bis zur Elbe, die wir bei Wittenberge überquerten, ging dann alles wie gewohnt schnell und unkompliziert. Von da an wurden wir aber in unserer Euphorie leicht gebremst. Im Bereich des Arendsees war die Thermik wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden, jedenfalls ging's bergab, das Steigen war nicht nur besch...eiden sondern auch noch unzentrierbar, die Wölkchen schwanden und die Moral war auch im Eimer, so überlegten wir schon, den Kurs um 20-30° ins Dreieck zu verlegen und gegebenenfalls nur bis Gifhorn zu fliegen. Weiter rechts waren nämlich immer noch vereinzelt Kumulanten zu sehen und die Heimat wäre nicht ganz so fern gewesen. Etwa 40 Kilometer vor Helmstedt, bei wieder annehmbaren Steigwerten, trafen wir auf eine ASH-26, die zu uns in den Bart kam. Bei weiterem Kreisen stellte sich heraus, das war die CH, Christa in ihrer Maschine, auf dem Weg nach Helmstedt. Das gab uns nochmals einen kleinen moralischen Anschwung und wir begruben ganz schnell unsere Idee vom Abkürzen und Gifhorn. Und so flogen wir nun gemeinsam mit Christa ins große blaue Loch Richtung Helmstedt. Im Blauen ging es dann sogar rauf bis knapp fünfzehn hundert Meter. Unsere Wende, die Autobahnabfahrt war schon zu sehen, also nix wie hin - dachten wir uns, fix gewendet und ab auf Heimatkurs und dann in den Keller - dachte sich der liebe Gott. Ruck zuck waren wir nämlich im Par Terre auf 500 m das heißt, da wir uns ja schon im Bergland befanden so um die 350 m über Grund. Einmal geschwitzt und geflucht, von hinten wurd`s still und dann wurde der Ton des Zanders glücklicher Weise schon wieder heller. Dunkler wurde allerdings das Tageslicht, es schob sich nämlich von Nordwesten her eine doch recht dichte Zirrusabschirmung über und hinweg. Nun ja, CH war jedenfalls immer noch hoch über uns, flog schon mal vor und wartete da auf uns. Weiter ging`s dann über das monströse VW Werk, über Gifhorn und dann nach Celle. Da wurden wir dann aufgrund der Wolkenbildung gezwungen immer weiter nach Westen auszuweichen. So langsam wurde es auch fragwürdig, wie lange sich überhaupt noch Steigen unter der immer dichter werdenden Abschirmung bildet, immerhin war es schon 17:00 Uhr. Aber gut, zur Not hatten wir ja noch eine Handvoll zwar stinkender aber hochbringender Thermik im Rumpf. Eigentlich hofften wir auf einen letzten Bart bei Walsrode, über dem Autobahndreieck stand auch eine verhältnismäßig schnuckelige Wolke, nur war das Steigen mit 0,5 m/s nicht sonderlich gewinnbringend. Und da unsere Endanflugrechner bei Verden in elfhundert Metern immer noch nicht davon überzeugt waren wir würden sicher nach Hause kommen, mussten wir uns was einfallen lassen.

Der Einfall war dann einfach Kurs auf Flugplatz zu fliegen und zu hoffen. Querab Rotenburg, mittlerweile nur noch gute 600 m hoch, kam dann aus unauffindbaren Gründen Steigen in die Luft, nun, war uns eigentlich auch egal, weshalb es da hoch ging, jedenfalls ging es hoch - und das mit stolzen 0,7 m/s. In etwa 1000 m sind wir dann zum finalen Endanflug los geglitten, füllten beide nochmals die Toppitsbeutel und kamen glücklich und erschöpft nach guten 8 Stunden Flugzeit in Tarmstedt an und landeten um 19:00Uhr. Fazit: Ein durchaus schöner und interessanter Flug, zwar nicht so, wie wir uns das vielleicht gewünscht hätten aber wir sind rumgekommen und das alles ohne vom Zweitaktvibrator im Rumpf Gebrauch gemacht zu haben!

Wo wir sind ist oben!

Ein Bericht von Timo Struckmeyer               Bremen, den 16.6.03