Mein erster Wellenflug

Hallo SegelfliegerInnen und Interessierte.

Mein Name ist Björn-Christian Michaelis ich bin 20 Jahre alt und seit März 2002 Segelflugschüler in der SFG-Bremen.

Ich habe am vorletztem Wochenende meine "C" geflogen und mir für dieses Jahr meine PPL-C vorgenommen. Nur ein Wochenende später am 19.04.2003 hatte ich das seltene Glück eine wohl eher ungewöhnliche und zugleich sehr schöne Flugerfahrung zu machen. Es war gegen Ende des Osterlehrgangs der jedes Jahr bei uns am Platz stattfindet. Die Woche über war es schon sehr windig doch am Samstag nahm der Wind nochmals zu und es schob sich eine mittelhohe Abschirmung über unser Thermikreich.

Da Morgens beim Briefing niemand wirklich Lust hatte zu fliegen wurde beschlossen nicht aufzubauen. Als gegen Mittag der Himmel immer heller wurde und sicher war, daß es nicht mehr regnen würde, haben sich doch noch einige gefunden die wenigstens ein paar Platzrunden fliegen wollten. Wir waren ungefähr fünf Flugschüler und fast genauso viele Fluglehrer, also nahmen wir unsere beiden Doppelsitzer, die ASK-13 und die ASK-21, raus und schoben sie an den Start. Dort durfte ich dann gleich als zweiter die 21 fliegen. Zu diesem Zeitpunkt riss die Abschirmung auf und weckte die Hoffnung auf ein bisschen Thermik. Also rein in den Flieger Fluglehrer angeschnallt und ab ging's. Mit dem kräftigem Wind auf der Nase schafften wir ne Ausklinkhöhe von gut 420m. Nach 5 Minuten Platzrunde wieder am Boden stellte sich mir die Frage ob ich noch einen Start machen wollte. Eigentlich wollte ich noch mal mit Fluglehrer starten, doch ich entschied mich kurzfristig um.
Mein Glück! Denn mein nächster Start sollte zu meinem bisher einmaligsten Alleinflug werden. Der Start war von unten bis oben mit 110km/h und im letztem Teil 130km/h, was mir eine Ausklinkhöhe von gute 500m bescherte (An dieser Stelle einen Dank an Sven den Windenfahrer!).

Nach dem Ausklinken bin ich gleich rum, und hab (Alle Fluglehrer dies nicht lesen) hinter der Position nach Thermik gesucht, denn wie jeder weiß geht es hinter der Position immer am besten. Tatsächlich war direkt hinter der Waldkante ein Bart in den ich einstieg und mich erst mal auf 600m schraubte. Durch den Wind wurde ich aber so stark versetzt das ich zum Platz zurückfliegen musste. Dort fing ich wieder an zu kurbeln und wurde wieder versetzt. Nach einigen Minuten hin und zurück hatte ich ungefähr 750m, wo ich wieder versuchte einen Bart zu zentrieren der scheinbar mit bis zu 3m/s zog. Beim Aufrichten zum Verlagern geschah dann das merkwürdige. Ich stieg mit 3m/s im Geradeausflug. Ich will noch einen Moment warten bevor ich einkreise und steige weiter mit 3m/s. Da dachte ich mir wieso kreisen wenn es auch im Geradeausflug geht. Also den Vogel auf 70-80km/h eingetrimmt und gestiegen. In 800m war es dann so ruhig das ich den Knüppel loslassen konnte. In dem Moment als ich die ersten Cumulusfetzen etwas unter mir vorbeiziehen sah wusste ich das ich in eine Welle geraten bin.

Dann ging es rauf bis auf 1700m. Völlig ruhig und mit abnehmendem Steigen. Als ich dies per Funk durchgab wurde ich erst mal ausgequetscht. Einer meiner Fluglehrer brachte sogar den Spruch: "Hey 2T, flieg aber bitte nicht höher als 3000m". Die Sicht war mit 10-15km zwar nicht die beste, aber da ich meine Kamera dabei hatte zog ich sie aus der Jackentasche um ein paar Fotos zu machen. Ich schalte sie ein und... nix. Die Batterien waren aus dem Batteriefach gefallen (Danke Kodak für die "unverwüstliche" Konstruktion der Klappe!). Meter später schaffte ich es dann doch noch ein paar Fotos zu machen. Als mir das Steigen nun nach ungefähr 30min ausging befand ich mich direkt über unserer Winde.

Ich beschloss mit dem Wind dahin zu fliegen wo das Steigen angefangen hat. Meine Augen hingen nur noch am Vario in der Hoffung es geht noch mal hoch. Und tatsächlich es ging noch mal mit nem halben Meter rauf. Als ich in 1750m auch mal wieder aus dem Fenster guckte stellte ich fest das der Wind mich zu schnell zu weit versetzte und ich beschloss zurückzufliegen. Zudem war der Himmel schon wieder bedeckt und die Sonne verschwunden. Die 21 lag so ruhig in der Luft wie ich sie noch nie erlebt habe. Viel zu schnell war ich wieder auf 1300m und auch zurück am Platz. Dort hatte ich noch mal vermindertes Sinken was aber eigentlich nicht erwähnenswert ist. Die restlichen 800m wurden noch mal zu einem Stück Arbeit. Im Gegensatz zu oben war es hier wieder richtig bockig und ich musste mich konzentrieren damit der so schöne Flug nicht noch durch die Landung verunglimpft wurde.

 Kurze Zeit später stand die 21 aber ohne Fahrwerksschaden wieder am Boden. Ich bin am19.04.03 um 15:02 (Ortszeit) gestartet und nach einer Stunde und zwei Minuten um 16:04 gelandet. Ich hatte einen Höhengewinn mit Thermik von ungefähr 250-300m und mit der Welle von gut 1000m. Der Wind kam aus ungefähr 80° mit ca.30-40km/h am Boden und mit ca. 50-60km/h in der Höhe. Die Temperatur hat zwischen 10 und 15°C am Boden gelegen. Unser Meteorologe und einige andere erfahrene Piloten erklärten mir das meteorologische Phänomen als Scherwelle. Die ist wohl dadurch entstanden das die Abschirmung zur richtigen Zeit aufriss und durch kurze aber schon kräftige Sonneneinstrahlung genug Thermik erzeugte, und dem starkem Wind ein ausreichend großes Hindernis darstellte. Die Luftmassen wurden nach oben umgelenkt was sich mir als Welle deutlich machte. Des weiteren wurde mir versichert das ich sehr viel Glück hatte da so was gerade bei uns nur sehr selten ausfliegbar auftritt. Ich wollte auf jeden Fall mal Welle fliegen, aber das es so schnell passieren würde damit habe ich nun nicht gerechnet. An dieser Stelle noch mal Vielen Dank an die Fluglehrer die immer wieder die Geduld haben uns Flughungrige-Schüler zu beaufsichtigen.

Björn-Christian Michaelis

Tarmstedt den 22.04.2003